Gestern und Heute

2006 Expedition "Viking"

Die Ära der Wikinger dauerte vom Ende des achten bis in die zweite Hälfte des zwölften Jahrhunderts. Doch was ist von dieser Zeit übrig geblieben? - Nur die Sagen?

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2003 Beuge dich und siege

"Als erstes war das Wort...", nun in diesem Falle vielleicht nicht unbedingt das erste.
Das erste war der Gedanke nach Grönland zu segeln, um damit den Ring um den Nordpol zu schließen. Aber es reicht nicht aus, einfach nur nach Grönland zu segeln. Das Schiff muss ja auch irgendwie nach Polen zurückkehren. Und so entstand Schritt für Schritt die Idee, einen Törn unter dem Motto "Vom Eis bis in die Tropen" zu organisieren. Wie wir alle wissen, kommt der Appetit mit dem Essen. Noch in der Vorbereitungsphase des ersten Törns entstand schon ein erweitertertes Projekt unter dem Motto: "Von einem Horn zum anderen".

Am 24. November kam ich zusammen mit Wojtek Skurski, der während der Fahrt mein Chief Mate sein sollte, in Ushuaia an. Die Schiffsübernahme gestaltete sich nicht sonderlich kompliziert. Erstens kannte ich die Zjawa und zweitens war ja noch immer unser Bootsmann Graham an Bord, den uns der Himmel auf Island, in Sejdisfjord, geschickt hatte. Der Australier, seit 7 Jahren auf der Welt unterwegs, hatte sich sehr schnell in seiner Rolle als Bootsmann und Mechaniker eingefunden. Anfangs hatte er jedoch noch Schwierigkeiten mit den polnischen Beschriftungen auf den einzelnen Boots- und Maschinenteilen, was wiederum zu allerlei kleinen ‚Anekdötchen’ führte.
Graham hatte heldenhaft alle Forderungen des Kapitäns, die technischen Unzulänglichkeiten des Schiffes und die organisatorische Improvisation über sich ergehen lassen und war mit der Zjawa glücklich in Ushuaia angekommen. Die Wiedersehensfreude war riesig. Als wir uns kennen lernten, suchte er nach einer Möglichkeit nach Kanada zu gelangen, um dort seine Weltreise fortzusetzen („on the surface, not with an airplane...“, wie er immer betonte). Schon während des Törns nach Grönland haben Graham und ich uns angefreundet und so entschied er sich, bis zu meiner Rückkehr an Bord zu bleiben, d.h. bis Ushuaia, von wo aus es weiter zum Kap Hoorn gehen sollte.
Die ganze Aktion lief zwar unter dem Motto „Von einem Horn zum anderen“, aber die Abenteuerlust hatte wieder einmal zugeschlagen. Ein neues Ziel wurde in Erwägung gezogen: Die polnische, nach Henryk Arctowski benannte Forschungsstation PAN (Polnische Akademie der Wissenschaften) auf der King George- Insel in der Antarktis. Ich persönlich hatte die Hoffnung, nicht nur zur Station meines Namensvetters zu gelangen, sondern auf dem Melchior Archipel noch den „Bremen-Kanal“, zu besuchen, welcher die Insel Omega in zwei Teile teilt. Dieser Kanal war die letzte polnische Entdeckung an der ich auch beteiligt war, also war die Hoffnung natürlich sehr groß.
Am nächsten Tag, Dienstag den 25. November, war die Crew endlich vollständig. Zusammen mit Wojtek stellte ich eine nicht enden wollende Liste mit Dingen zusammen, die noch zu erledigen wären. Das Wetter war nicht sonderlich schön. Es stürmte und schneite und es war insgesamt ungemütlich. Die Crew machte sich trotz allem an die Arbeit und es gab keinen, der sich hätte langweilen müssen. Wojtek kontrollierte den Mast und die Takelage, was sich bei solchen Temperaturen als sehr schwierig erwies, da die Hände irgendwann so kalt sind, dass man kein Gefühl mehr in ihnen hat. Die zweite Wache war mit den Einkäufen beschäftigt. Gerd, Kenner der elektronischen Navigation, installierte mit Hilfe vom zweiten Gerd und Bogdan, die von mir mitgebrachten elektronischen Seekarten. Marek und Andrzej bauten eine Abdeckung, um die Ersatz - Generatoren unterbringen zu können, und Piotrek und Jozek versuchten die Ankerwinde zu reparieren.
Und hier kommen wir zum wichtigsten Punkt. Ende Juni, gleich nach dem Törn nach Grönland, hatte ich dem Organisator der ganzen Reise eine Liste mit absolut unentbehrlichen Dingen für das Schiff übermittelt. Ein neuer Anker, eine Ankerwinde und Mastrutscher waren auf dieser Liste enthalten.
Am 18. November wurden per Kurier die neue Ankerwinde und andere Kleinigkeiten, darunter auch die Mastrutscher, abgeschickt. Alles sollte innerhalb von drei Tagen an Ort und Stelle sein. So waren wir mit der Überzeugung nach Ushuaia gekommen, dass wir dort die bestellten Sachen vorfinden würden. Hierbei sollte man noch einmal darauf hinweisen, dass man Richtung Antarktis segelnd, nur auf einen Hafen - Puerto Williams - stößt. Der Rest besteht nur aus nicht sonderlich guten Ankerplätzen. Für Yachten, die in diesen Gefilden segeln, besteht daher die Notwendigkeit besonders gutes Ankergeschirr zu haben. Trotzdem werden die Boote noch mit an Land gebrachten und dort vertäuten Leinen gesichert.
Da mir die Wetterbedingungen der Antarktis bekannt waren, vor allem die Gefahr plötzlich auftretender starker Fall-Winde, die einen Ankerplatz heimsuchen können, hatte ich nicht vor, die mangelhafte Ausstattung auf die leichte Schulter zu nehmen.
Am 26. November war immer noch nichts angekommen. Abends fuhr ich mit Piotrek auf den Flughafen, aber auch dort wartete kein Paket auf uns. Es begann ein langwieriger E-mail-Verkehr und Telefonaustausch mit Polen, während die Crew die ganze Zeit ackerte.
Am Freitag, den 28.November, kam die Nachricht von dem Segel-Veranstalter ‚Navigare’, dass die Pakete beim Zollamt in Buenos Aires wären, und es bliebe unklar, wann man die, für uns so wichtige, Post erhalten würde.
Ich rief die Crew zusammen, erläuterte ihnen den Sachverhalt und meine Entscheidung, dass ich mich unter diesen Umständen nicht bereit erklären würde, in die Antarktis zu segeln. Als Alternative schlug ich dafür aber einen Törn ums Kap Hoorn vor. In der Crew brach ein Gewitter los. Alle hatten von der Antarktis geträumt, von den Eisbergen, der unendlichen Weite des antarktischen Kontinents..., und nun sollten sie „nur“ Kap Hoorn umrunden.
Man versuchte mich zu überzeugen. Im Nachhinein erfuhr ich, dass man sogar darüber spekuliert hatte, ob man mich nicht vielleicht mit finanziellen Mitteln dazu bringen könnte, meine Meinung zu ändern. Als wenn ich nicht auch gerne dorthin gesegelt wäre...
Der deutsche Teil der Crew hatte die Nachricht sehr gefaßt entgegengenommen. Wenn der Kapitän der Meinung sei, dass das Schiff für eine solche Reise schlecht ausgestattet wäre, dann stimme dies und mit einem schlecht ausgestatteten Schiff segelte man eben nicht.
Letztlich beschlossen wir, unsere Arbeiten an Bord zu beenden, nur „kurz“ zum Kap Hoorn zu segeln und dann nach Hause zurückzukehren. Oh Gott, war das alles deprimierend! Persönlich war ich davon überzeugt, dass bei unserer Rückkehr, die erhoffte Post schon auf uns warten würde, wir nur schnell alles installieren müssten und dann ...“ab in die Patagonischen Kanäle“. In der Crew keimte neue Hoffnung auf; die angefangenen Arbeiten würden sowieso noch bis Sonntag andauern. Ein neues Echolot wurde nach unseren gemeinsamen Plänen installiert, das an Bord befindliche Echolot funktionierte nämlich nicht. Ich konnte mich noch an Zeiten erinnern, da Yachten noch nicht mit solchen Wundern der Technik ausgestattet waren, und dennoch segelten. Diesmal jedoch, in noch nicht vollständig erforschten Gewässern und mit den schon beschriebenen Ankerplatzbedingungen, hielt ich es doch für unabkömmlich.
Nur die Technik ermöglichte es uns, Dinge zu sehen, die unsere eigenen Augen nicht erblicken könnten und von Reisen zu träumen, von denen man vor 20 Jahren nicht einmal ansatzweise in diesem Maße hätte träumen können.
Ein neues Echolot zu installieren wäre nun ja prinzipiell auch kein Problem. Man müßte nur das Boot aus dem Wasser heben…. Eben, und die Zjawa wog 50 Tonnen!!
Wojtek hatte schon früher über eine mögliche Installation des Echolots am Vordersteven gesprochen. Auf dem Weg nach Ushuaia hatten wir uns darüber unterhalten und überlegt, ein Rohr seitlich am Vordersteven anzubringen, das durch den Rumpfumriss vor den Eisschollen geschützt wäre. Als Fachmann übernahm Wojtek die Ausarbeitung der technischen Feinheiten, Graham schweißte. Wojtek, Piotrek und Jozek brachten die ganze „Apparatur“ mit Hilfe einer wassergeschützten Bohrmaschine am Schiffsrumpf an, da direkt über dem Wasser gebohrt werden musste.
Andrzej und Marek beendeten endlich ihre ganz eigene Konstruktion einer neuen, elektrischen Bilchpumpe. Es folgte noch ein kurzer Lehrgang über „Was wie funktioniert und überhaupt...“ - und schon konnten wir aufbrechen.

Das Wetter im Beagle-Kanal war sehr gut und so konnten wir unser neues Segel - Reff -System ausprobieren, verbessern und die Funktionsweise kennenlernen.
In Puerto Williams machten wir einen kurzen Stopp, um die Zollabfertigung zu erledigen, da wir nun auf chilenischen Gewässer fuhren.
Früh am Morgen näherten wir uns Kap Hoorn. Der Wind hatte abgenommen und so nutzten wir die Gelegenheit auf ‚Cabo de Hornos’, in der Caleta Leon Bucht, anzulegen.
Die Zjawa driftete ruhig vor sich hin, während die Crew abwechselnd mit einem Schlauchboot an Land ging. Wir hatten den Moment des guten Wetters zwischen 6 - 10 Uhr perfekt ausgenutzt. Gegen Mittag stieg die Windstärke auf 7 Bf an und wir mussten mühsam gegen den Wind ankreuzen. Die Segeleigenschaften der Zjawa hatten sich, trotz unserer vielen Verbesserungen, seit Jahren nicht verändert und so mussten wir am Ende das Aufkreuzen aufgeben und den Motor nutzen.
Um 15.05 Uhr, am 2. Dezember, hatten wir Kap Hoorn an steuerbord querab. Dieses Ereignis feierten wir natürlich nach alter Segler-Tradition. Den ersten Schluck bekam selbstverständlich Neptun, danach ging es reihum. Für mich war der Moment ganz besonders feierlich, da ich innerhalb von einem Jahr nun das zweite Horn umrundete.
Wir segelten weiter ums Kap Hoorn, um dann wieder Kurs auf Puerto Williams zu nehmen. Unterwegs passierten wir an Steuerbord drei chilenische Inseln: Picton, Lenox und Nueva, die verblüffenderweise indirekt etwas mit Polen zu tun haben.
Die territorialen Streitigkeiten zwischen Argentinien und Chile haben schon eine sehr lange Geschichte und zeitweise gab es sogar den Lösungsvorschlag, dass Kap Hoorn beiden gehören solle. Während der letzten Streitigkeit ging es um die oben genannten Inseln. Im Dezember 1978 hatte sich die Argentinische Armee schon auf eine Invasion vorbereitet. Den unvermeidlichen Krieg verhinderte Papst Johannes Paul II. am 12.12.1978. Nach langen Jahren der Verhandlung wurde erst am 29.12.1984 ein ‚Traktat über Freundschaft und Zusammenarbeit’ im Vatikan unterschrieben, den die beiden Staaten akzeptieren konnten.

Nachdem wir in Puerto William angelegt hatten, feierten wir unseren Erfolg im ‚Cabo de Hornos’ Restaurant. Wir konnten auch endlich die 220 m Leine bestellen, welche man in Ushuaia nicht zu einem normalen Preis erwerben konnte.
Der Gedanke an die Patagonischen Kanäle saß noch immer in unseren Köpfen fest.

In Ushuaia mussten wir feststellen, dass unsere bestellte Ware immer noch nicht angekommen war. So arbeiteten Bogdan und Marek einen Ersatzplan aus: Segeln im Beagle Chanel.
Wojtek installierte die alte Ankerwinde, aber nicht einmal der so positiv eingestellte Graham konnte diesen ‚Schrott’ in Gang bringen.
Es entstand eine neue Diskussion im segelbereiten Teil der Crew, ob man den Anker nicht von Hand einholen könne.
Während die Diskussion in der Messe noch andauerte, holte mich Graham in den Maschinenraum. Er zeigte mir einen sich eigenartig bewegenden Rohrstutzen, der für die Kühlwasserzufuhr zuständig war. Man konnte sehen, dass aus dem Rohr Wasser kam. Die undichte Stelle musste irgendwo zwischen dem Schiffsboden und dem Absperrventil liegen. Ich erschrak bei dem Gedanken, was uns in der menschenleeren Einöde zwischen Kap Hoorn und der Antarktis hätte passieren können.
Ich rief die Crew zusammen und erklärte den Segeltörn für beendet. Innerhalb von ein paar Tagen hatten sich alle Hoffnungen verflüchtigt, und ich dachte mit Graham angestrengt darüber nach, wie man den Schaden am Schiff beheben könne.
Das Trockendock in Ushuaia wurde gerade renoviert, diese Möglichkeit viel also aus. Letztendlich liehen wir uns von unseren Nachbarn, der “Ice Lady Patagonia“ eine Taucherausrüstung, um die Stelle von außen abzudichten. Damit hätten wir die Möglichkeit erhalten, den Rohrstutzen von innen zu demontieren und eine Reperatur vorzunehmen.
Unter Wasser musste ich allerdings feststellen, dass ausnahmsweise alles ordnungsgemäß montiert war und die Wasserzufuhr durch ein Gitter gesichert wurde.Die Abdichtung durch einen Pfropfen war dadurch unmöglich. Was nun?
Wir bestellten einen professionellen Taucher, der die Stelle mit einem „Pflaster“ abdichtete und nun konnte Graham den Rohrstutzen demontieren. Der Zustand, der sich uns offenbarte, bestätigte die Richtigkeit der Entscheidung, den Törn abzubrechen: Das Rohr war total durchgerostet.

Meine Crew hatte den Törn bei ‚Navigare’ mit der Hoffnung gebucht, zur polnischen Arctowski-Station zu gelangen. Fast eine Woche lang hatten alle so schwer gearbeitet, als ginge es um ihr Leben, mit dem Gedanken, sich damit einen Traum erfüllen zu können.
Aus Mangel an ordentlicher Ausrüstung konnten wir „nur“ zum Kap Hoorn segeln, was die Crew nur in geringem Maße befriedigte. Wenn man das allerdings im Nachhinein etwas distanzierter betrachtet, ist nichts verloren gegangen. Diese doch sehr selbstlose Arbeit meiner Crew hat wiederum anderen dazu verholfen, die Polnischen Station und das Kap Hoorn zu erreichen.
Und hier bestätigte sich eine alte Judo-Weisheit „ Beuge dich und siege“. Wir haben uns den Gegebenheiten gebeugt, aber unser Einsatz ermöglichte vielen anderen Seglern, sich einen Traum zu erfüllen.

 

Ein paar Wochen später traf ich die Zjawa auf Deception Island und erfuhr, dass die neue Ankerwinde gar nicht neu war, sonder nur dick mit Farbe bestrichen, so dass man die Risse im Korpus nicht sehen konnte. Den Fehler glich Graham mal wieder mit seinem Einfallsreichtum aus, indem er aus den zwei fehlerhaften Winden einen funktionierenden Ersatz konstruierte.

 

PS:
Während eines späteren Törns lief die Zjawa am 20. Februar um 03.15 Uhr auf einen Felsen, schlug Leck und erlitt Wassereinbruch. Hier ein Ausschnitt aus einem Brief, den ich von einem Mitsegler erhalten habe: “Zum Abpumpen des Wassers benutzten wir eine vom Generator betriebenen Pumpe, die eine große Hilfe darstellte.“
Die Rede ist von der durch Marek und Andrzej konstruierten Pumpe...

Henryk

Galerie

Die letzte Etappe auf der Reise rund um den Nordpol

Der Kapitän Henryk Wolski umrundete, als erster Pole und sechster Mensch in der Geschichte, in Etappen auf einer Segelyacht den Nordpol.

Den letzten Teil dieser Reise (jede einzelne war eine für sich unabhängige Expedition) führte Henryk als Kapitän der Zjawa IV unter dem Motto „Von einem Horn zum anderen“ aus. Sie umrundeten auf diesem Törn das nördlichste Kap Islands (genannt ‚Horn’). Nun ist die Zjawa unterwegs zum gefürchteten Kap Hoorn.


Einzelheiten von Henryks weiteren Polumrundungsexpeditionen erfahren wir nach seiner Rückkehr in der kurzen Pause zu seiner nächsten Expedition im Oktober diesen Jahres.

Weiterhin geben wir verkürzt die einzelnen Reise-Etappen der Nordpolumrundung

1988 Törn auf der Yacht ‚S.Y.Colombine’ von Fehmarn nach Spitzbergen und zurück
Im Grunde zählt nur ein ganz kleiner Teil dieses Törns zur Umrundung dazu (Strecke von der Insel Vikingen nach Tromsö), aber er war in gewisser Weise die Inspiration.
07. Juli 1988 - Überquerung des Polarkreises bei der norwegischen Insel Vikingen 11. August - Anlegen der Yacht in Tromsö


1993 Die Nord-West-Passage auf der Dagmar Aaen
13. Juli - Start vom Ankerplatz in der Bucht von Kangerlussuaq auf Grönland
30. September - Überquerung der Bering Straße


2002 Die Nord-Ost-Passage auf der Dagmar Aaen
27. Juni - Einschiffen in Tromsö
06. September - Überquerung der Bering Straße


2003 Von Namsos in Norwegen bis Kangerlussuaq auf Grönland
mit Umrundung des Isländischen Horns auf der Zjawa IV
06. Juni - Überquerung des Polarkreises bei der Norwegischen Insel Vikingen
19. Juli - Anker werfen in der Bucht Kangerlussuaq

Die Kurslinie, die Henryk vor 10 Jahren eingeschlagen hatte (Beginn der Nord-West-Passage), wurde am19. Juli 2003 um 02:45 GTM endlich gekreuzt.

Die Entscheidung, die letzte Etappe der Nordpolumrundung mit der Zjawa IV durchzuführen, sollte eine Verbindung zu den Reisen von Wladyslaw Wagner herstellen. Dieser umsegelte auf seinen drei Segelyachten (Zjawas I bis III) als erster Pole 1932-39 die Welt in Etappen.

Eine polnische Entdeckung in der Antarktis

Auszug aus einem Zeitungsartikel in der polnischen Presse:

"Zwei Polen, die an einer Reise in die Antarktis teilnahmen, haben in der Melchior-Inselgruppe eine neue Insel entdeckt, informierte uns am Sonntag der in Stettin wohnhafte Segler Jerzy Kwinta. Dieser steht mit den Reisenden in regelmäßigem Kontakt.

Herr Kwinta erläuterte, dass die Polen, Henryk Wolski und Tomasz Zadrozny, an einer Reise auf dem Expeditionsschiff M.S. Bremen, organisiert von Hapag-Lloyd, teilnahmen. Während des antarktischen Sommers fährt dieses Schiff auf der südlichen Halbkugel, in den Regionen der antarktischen Halbinsel, den Falkland Inseln, Süd Georgien, den Süd Shetlands, der Süd-Orkneys und der Sandwich Inseln. Das besondere an M.S. Bremen ist, dass sie auch in Bereiche der Erde vorstoßen kann, an welchen es keine Häfen gibt. Die Passagiere werden dann mit Hilfe von stabilen, gut motorisierten Schlauchbooten (Zodiacs) an Land gebracht. Häufig wird die Gegend auch ohne Anlandung bei sog. Zodiac-Rundfahrten vom Wasser aus erkundet.

Am 2. Februar 2003 stand eine solche Zodiacrundfahrt mit den Passagieren bei "Melchior Islands" auf dem Programm. Diese kleine, unbewohnte Inselgruppe des Palmer Archipels ist zwischen den größeren Inseln Brabant und Anvers-Islands in der Dallmann Bucht gelegen. Die Melchior Inseln wurden ursprünglich im Winter 1873-74 von dem deutschen Walfänger Eduard Dallmann, entdeckt.

Tomasz Zadrozny fuhr während dieser Tour mit seinem Zodiac weit in einen schmalen Kanal hinein, welcher bis dahin als Sackgasse bekannt war, der an einem Gletscher endete. So war es zumindest in den englischen, als auch in den argentinischen Seekarten eingezeichnet.

In diesem Jahr waren die Eisbedingungen deutlich besser, nur wenige Eisschollen trieben auf der Wasseroberfläche und so fuhr Tomasz Zadrozny weiter und musste feststellen, dass die "Sackgasse" bis auf die andere Seite der Insel führte, ein Kanal sie also zweiteilte. Die Insel, von der hier die Rede ist, wird auf englischen Karten "Omega-Island" und auf argentinischen Karten "Sobral" genannt.

Drei weitere Zodiacs durchquerten den Kanal von der anderen Seite aus. Alle drei Bootsführer, darunter auch Henryk Wolski, mussten sich alleine ihren Weg durch die zahlreichen Untiefen des Kanals bahnen. Den "Entdeckern" nach, ist der Kanal etwa 600 m lang und ca. 35-40 m breit und wird beidseitig von ca. 25 m hohen Eiswänden gesäumt.

Die Nachricht von der Entdeckung wurde sofort an den Hauptsitz von Hapag-Lloyd in Hamburg geleitet und von dort aus umgehend weiter zum Deutschen Hydrographischen Institut.

Henryk Wolski ist ein Polarsegler, welcher als Teilnehmer an internationalen Expeditionen, auf einem Segelboot 1993 die Nord-West-Passage und 2002 die Nord-Ost-Passage durchquert hat (bis jetzt als einziger Pole). Im Jahr 2000 nahm er an der internationalen Expedition Shackleton 2000 teil. Damals wiederholten sie als erste die vollständige Rettungsaktion Shackletons. Sie benutzten dazu eine 7 m lange Replik des damaligen Rettungsbootes und überwanden damit die Strecke zwischen der antarktischen Halbinsel und Süd-Georgien, um sich danach von King Hakon Bay über die Gletscher bis zur verlassen Walfangstation Stromness zu kämpfen."

Auszug aus einem Interview von GEO.de:

GEO.de: Herr Wolski, herzlichen Glückwunsch zur Entdeckung der BREMEN-Insel. Wie kam es dazu?

Henryk Wolski: Wenn wir die Melchior-Inseln ansteuern, statten wir meist auch der Omega-Insel einen Besuch ab. Die Hauptattraktion dort ist neben den Weddell-Robben ein kleiner Fjord, der an der grandiosen Abbruchkante eines Gletschers endet. Der Fjord war mit gebrochenem Eis gefüllt, also fuhren wir mit unseren Zodiacs (Schlauchbooten, d. Red.) langsam und in angemessenem Abstand zur Gletscherkante. Plötzlich sehe ich, wie das Zodiac vor mir, das Boot meines Kollegen Tomasz Zadrozny, in einem Kanal verschwindet. Wir waren schon öfter an dieser Stelle, hatten aber noch nie einen Durchgang bemerkt.

Wir fuhren langsam weiter. Da es ziemlich flach wurde, mussten wir die Motoren ausstellen und paddeln, um weiterzukommen. Der Kanal war hier bis zu 40 Meter breit und rechts und links von etwa 30 Meter hohen Eiskliffs gesäumt. Als wir den Kanal durchquert hatten und auf der anderen Seite der Insel angekommen waren, verglichen wir Zodiac-Fahrer unsere Karten und stellten fest: Hier stimmt was nicht. Später, auf der Brücke der BREMEN, sahen wir, dass die Seekarten falsch waren, in ihnen war eindeutig nur ein Fjord eingezeichnet. Hatten wir also etwas Neues entdeckt? Erst ein paar Monate später hatten wir Gewissheit: Es war eine Entdeckung. Das bestätigte uns die British Antarctic Survey, die für die Kartierung dieser Region zuständig ist.

Hat das neu entdeckte Stück Erde einen Namen?

Ja, am 23. März hat das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie den Namen "BREMEN-Insel" und für den neu entdeckten Kanal den Namen "BREMEN-Kanal" bestätigt. Und am 11. Juni wurden dann beide Namen vom SCAR (Scientific Committee of Antarctic Research) anerkannt. Für die Schifffahrt wird der Kanal allerdings keine besondere Bedeutung haben. Er ist einfach zu flach.

Warum wusste die Karte nichts von dem Kanal?

Seit 1947 wird die Temperatur in der Region genau gemessen. Seither hat sich die Durchschnittstemperatur um 2,5 Grad Celsius erhöht. Unserer Meinung nach ist das der Grund für das Abschmelzen des Gletschers. Der Kanal war schon immer da, aber bisher von dem Gletscher bedeckt, der sich nun an dieser Stelle geöffnet hat. Das war auf den Satellitenbildern von 1989, auf denen die Seekarten dieses Gebiets basieren, noch nicht zu sehen.

2002 Die Nord-Ost-Passage

Die Yacht DAGMAR AAEN bezwang mit ihrer Crew einen der schwierigsten Wasserwege der Welt – die Nord-Ost-Passage.

Zur Erinnerung: die Nord-West-Passage ist die Wasserstraße,die vom Atlantik über das nord-kanadische Archipel zum Pazifik führt. Die Nord-Ost-Passage dagegen führt über Sibirien zum Pazifik.
Die Idee, über diese „Abkürzungen“, von Europa z.B. nach China zu gelangen, entstand schon vor sehr langer Zeit. Ich sage Abkürzung, da der geläufige Wasserweg, einmal rund um Afrika, schon von Portugal eingenommen worden war. Die anderen Nationen, denen der Weg zu den Reichtümern des fernen Ostens versperrt blieb, suchten andere Wege um dort hinzugelangen. Mit dieser Methode entdeckte man nach Jahrhunderten die Nord-West- und die Nord-Ost-Passage.

Henryk

2001

Den Winter 2001/2002 habe ich wieder auf dem Expeditionsschiff MS Bremen verbracht. Wie spannend es in der Antarktis sein kann, könnt ihr auf den beigefügten Fotos sehen.

Im November diesen Jahres werde ich wieder auf der Bremen fahren. Obwohl ich auf dem Schiff sein werde, bleibt meine E-Mail Adresse die selbe. Kostuch leitet den Server um, alle Mails die an henryk@best.net.pl geschickt werden, kommen bei mir auf dem Schiff an.

Im Sommer werde ich, wie einigen schon bekannt ist, wieder an einer Expedition mit Arved Fuchs teilnehmen. 1992-94 habe ich bereits an der ICESAIL Expedition teilgenommen. Damals versuchten wir auf der Dagmar Aaen den Nordpol zu umrunden. 1993 schlugen wir uns durch die Nord-West-Passage - unser größter Erfolg. Es ist bis dahin nicht vielen Yachten gelungen, diese Strecke innerhalb eines Jahres zu bewältigen. Zur vollständigen Umrundung des Nordpols fehlte allerdings noch die Nord-Ost-Passage. 1992 mussten wir jedoch wegen schlechter Eisverhältnisse, kurz vor dem Kap Tscheluskin, umkehren.

1994, ein neuer Versuch - diesmal starteten wir von der Beringstrasse - erneut versperrte das Eis den Weg und wir gerieten in Eispressungen.

Einige Jahre sind vergangen. Wir alle hatten Zeit, um uns ein wenig zu erholen. Und dieses Jahr möchten wir erneut versuchen, die Nord-Ost-Passage zu überwinden. Wer möchte, kann uns über Internet auf dem Weg begleiten: www.Arved-Fuchs.de

Henryk

2000

Es war wahrhaftig ein ereignisreiches Jahr. Das Programm an sich wurde schon unter enormen Zeitdruck erstellt. Meine persönlichen „Segelangelegenheiten“ beendete ich Ende September. Anfang Oktober 1999 begannen schon die Vorbereitungen für die „Shackleton 2000“ Expedition. Ende Dezember flogen wir nach Ushuaia (Argentinien, Feuerland). Unser Schiffchen die “James Caird II“ wurde schon früher in einem Fracht-Container zu seinem Ziel gebracht. Nach kurzer Zeit kam auch die Dagmar Aaen, die uns von den ICESAIL Expeditionen bekannt ist, in ihrem Zielhafen an. Zum Schluss erreichte uns auch der Luxusliner MS Hanseatic.

Die James Caird wurde auf die Hanseatic verladen und wir fuhren alle zu unserem Startpunkt - die Antarktische Halbinsel. Als wir unsere Expedition am 19.01.2000 begannen, wurde von der Dagmar Aaen aus, die nur zu diesem Zweck hierher gesegelt war, alles gefilmt.
Nach kurzer Zeit trennten sich jedoch unsere Wege und wir trafen erst auf der Gibbs-Insel wieder zusammen.
Nach 14 Tagen kamen wir mit unserem sieben Meter langen Schiffchen auf Süd Georgien an. Weitere 7 Tage brauchten wir zur Überquerung der Gletscher, um zu den Südufern der Insel zu gelangen, wo die verlassene Walfang Station Sromness liegt. So wiederholten wir die vollständige Rettungsaktion von Shackleton aus dem Jahre 1916.

Nach dieser Expedition konnte ich mich 3 Wochen lang an meinem heimischen Herd erwärmen, um dann wieder nach Ushuaia zurückzukehren und auf der Dagmar Aaen zu den Azoren zu segeln. Von dieser Reise zurückgekehrt, hatte ich drei Tage Zeit mich in einen mittelalterlichen Slawen zu verwandeln. Zwischendurch musste ich meine Törn-Pläne ein wenig der Realität anpassen (Termin-Änderungen, Schleusenrenovierungen, usw.). Trotz vieler Schwierigkeiten hatten die Mannschaften ihren Spaß auf der Welet.
Ich muss gestehen, dass ich mich nach vielen Jahren des Hochseesegelns, doch wieder ein wenig zur Binnenschifffahrt habe bekehren lassen. Hochseesegeln und Binnenschifffahrt unterscheiden sich so grundlegend voneinander und beides bringt seine eigenen Reize mit sich.

Ganz besonders stolz bin ich auf unser archäologisches Experiment, das wir auf der Warthe durchführten: Wir hatten gerade günstigen Wind und so entschieden wir, stromaufwärts zu segeln - natürlich mit Hilfe der Riemen.
Man muss beachten, dass die Warthe auf diesem Abschnitt sehr kurvenreich und gewunden ist, und so mussten wir ganz schön schuften. Das Ergebnis war wirklich verblüffend: 4 Knoten über Grund, trotz Beeinträchtigung durch Fähren und Brücken. Endlich mal eine konkrete Angabe in der Hand! Man redet immer soviel davon, wie die Wikinger damals auf den slawischen Handelswegen flussaufwärts gesegelt sind. Alles wunderbar, besonders, wenn man sich das von seinem Schreibtisch aus vorstellt. Und wie sieht es in der Realität aus?
Nun, wir haben das ausprobiert...

Die Krönung der Saison war das Biskupin-Festival. Anfangs meinten einige Mannschaftsteilnehmer, dass solche Festivals sie nicht interessieren würden. Aber erst einmal vor Ort, haben alle sehr schnell Geschmack daran gefunden. Holger war untröstlich, dieses Jahr nicht in Biskupin dabei sein zu können.

Henryk